Statement der Fraktion Bürger für Meißen zum Tag der Sachsen 2029 in Meißen

Weinberg im Herbst mit Meißner Dom und Albrechtsburg
Foto: Daniel Bahrmann

Gestern ist im Stadtrat die Entscheidung gefallen – Meißen bewirbt sich um den Tag der Sachsen in unserem Jubiläumsjahr 2029. 

Nun brauchen wir ein gut durchdachtes, für uns gewinnbringendes Konzept, das den Tag der Sachsen geschickt in unsere 1.100-Jahre-Aktivitäten einbindet, um viele positive Effekte für unsere Stadt mitzunehmen und Meißen 2029 von seiner schönsten Seite präsentieren zu können.

Warum hat sich unsere Fraktion gestern mehrheitlich enthalten?

Wir haben uns mit der Entscheidung, ob sich Meißen um die Ausrichtung des Tags der Sachsen im Jahr 2029 bewerben soll, nicht leichtgetan. Pro und Contra wurden sorgsam abgewogen.

Dabei sehen wir durchaus die Chancen für unsere Stadt, den Tag der Sachsen im Jahr 2029 auszurichten – vor allem, weil wir die Wiege Sachsens sind und in diesem Jahr „1.100 Jahre Mark Meißen“ feiern. Das Event wird eine große Aufmerksamkeit auf unsere Stadt ziehen und auch wirtschaftliche Effekte für unsere Stadt und unsere Unternehmer generieren können.

Aber wir haben auch eine Menge Bauchschmerzen, die wir bereits im Vorfeld mit Herrn Oberbürgermeister Renner und Bürgermeister Schöne mehrfach diskutiert haben.

Leider konnten diese bis zur gestrigen Stadtratssitzung (23.9.2026) nicht ausgeräumt werden.

Wo liegen konkret unsere Bedenken:

  • Abgesehen von den immens hohen Gesamtausgaben von 2,7 Millionen Euro für zwei Tage „Sachsen-Party“, die für uns unter den ständigen Diskussionen um Kürzungen in vielen sozialen, kulturellen, sportlichen und anderen, gesellschaftlich relevanten Bereichen in keiner Relation stehen, gehen wir aus unserer Sicht ein schwer kalkulierbares finanzielles Risiko für unsere Stadt ein. Und das bei angespannter Haushaltslage – jetzt und gerade auch in den nächsten  Jahren.
  • Die Gefahr, dass es bei 350.000 Euro Eigenanteil – was an sich schon ein großer Posten für unsere Stadt ist – nicht bleibt, ist hoch. Denn viele Veranstalter beklagen aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen schon jetzt und auch perspektivisch eher eine rückläufige Ausstellerbeteiligung und geringere Sponsorengelder. Geringere Einnahmen, als kalkuliert sind daher möglich. Steigende Preise bis 2029 kommen auf der Ausgabenseite dazu. Die Zuschüsse des Landes aber sind fest.
  • Wir laufen Gefahr, uns möglicherweise personell zu „verheben“. Wir haben vier Wahlen in dem Jahr, dazu unser Festjahr 1.100 Jahre. Die Stadt Sebnitz hatte beispielsweise für die Ausrichtung des Tags der Sachsen zwei Wochen ihre Verwaltung geschlossen.
  • Zudem brauchen wir für unser eigenes Jubiläumsjahr 1.100 Jahre alle ehrenamtlichen Ressourcen und sehen die Gefahr, dass unsere Ehrenamtler „ausbrennen“ oder wir im schlimmsten Fall zu wenig Mitstreiter für unsere eigenen 1.100-Jahre-Jubiläumsaktivitäten über das ganze Jahr haben werden.

Das Hauptproblem aber ist, dass die Bewerbung gefühlt konzeptionell nicht zu Ende gedacht ist. Vor allem in Hinblick auf die Einbettung in unser Jubiläum 1.100 Jahre.
Konkret geht es z.B. um den Passus auf Seite 4 der Beschlussvorlage:

„Im Falle der Zuschlagserteilung ist geplant, die Feierlichkeiten zu „1.100 Jahre Meißen“ mit dem „Tag der Sachsen“ zusammen stattfinden zu lassen. Damit sollen finanzielle und personelle Ressourcen gebündelt und Synergien im Rahmen der Vorbereitung und Durchführung erschlossen werden, um mit geeinten Kräften einen stimmungsvollen und vielfältigen „Tag der Sachsen“ zu organisieren.“


Wenn der Tag der Sachsen, das Jahr 2029 in unserer Stadt personell, budgetär und kommunikativ dominiert, dann vergeben wir uns die Chance, Meißen zum Jubiläum von seiner ganz eigenen, charmanten Seite zu zeigen. Wir vergeben uns, genau diese Gäste gezielt anzusprechen, die wir uns als spätere Einwohner oder Gewerbetreibende für unsere Stadt wünschen.

Stattdessen gehen wir unter im „Partymodus“ des Tags der Sachsen. Auch wenn wir konzeptionell den Tag der Sachsen inhaltlich etwas mehr auf unsere Stadt abstimmen könnten.

In den Gesprächen mit der Verwaltung hatten wir deshalb angeregt, diesen Passus und auch die erste Grobkonzeptskizze, welche Grundlage der Bewerbung wird, konkreter zu formulieren und herauszustellen, dass der Tag der Sachsen unser eigenes Jubiläum nicht dominieren darf und es zwei zeitlich und räumlich voneinander getrennte Festakte geben muss:

  • Der Tag der Sachsen vor den Ferien – als ein Fest für und mit allen Sachsen – und ein eigenes größeres Jubiläumsevent 1.100 Jahre Mark Meißen (Woche oder Wochenende) mit feierlichem Festakt unter Beteiligung des Freistaates nach den Sommerferien.

So könnten wir beim Tag der Sachsen ordentlich die Werbetrommel für unser kleineres, feineres, leiseres Event rühren, Synergien in Technik, Sicherheit und Logistik nutzen und Kosten pro Event sparen.

Leider wurde dies weder in der Beschlussvorlage noch im Grobkonzept der Stadt Meißen für die Bewerbung entsprechend deutlich formuliert, noch konnten unsere anderen Bedenken hinsichtlich Finanzen und personeller Ressourcen ausreichend ausgeräumt werden.

Daher konnten wir einer Bewerbung unserer Stadt zum Tag der Sachsen nicht mit gutem Gewissen zustimmen und haben uns daher mehrheitlich bei diesem Beschlussantrag enthalten. 

Hoffen wir, dass die Stadt (nach Zuschlag) frühzeitig mit dem Freistaat bzw. der Staatskanzlei und dem Kuratorium zu allen Fragen ins Gespräch geht. 

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