Empörung oder Aufarbeitung?

Meißen, am 19. Juni 2020

Der gestern bekannt gewordene traurige und beschämende Vorfall am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus‘ im Käthe-Kollwitz-Park lassen im Grunde keinen Zwischenraum für Interpretationen.

Dennoch habe ich als einer der Redakteurinnen und Redakteure dieser Seite überlegt, wie ich in Vertretung unserer Mitglieder mit ebendiesem umgehen soll: Zeigen wir die Bilder dieser Schandtat? Oder geben wir damit den Schändern sogar noch eine Plattform in der Öffentlichkeit? Wie nehmen wir Stellung dazu? Spricht diese Untat nicht eigentlich für sich selbst?

Und, selbst, wenn es sich als – sehr gelinde ausgedrückt – „Dumme-Jungen-Streich“ herausstellen sollte: Was sagt das dann über die Welt und Lebensumgebung jener sogenannten „dummen Jungen“ aus? Wie werden diese Kinder so, wie sie sind? Wer trägt dafür die Verantwortung?

Schlussendlich kam ich zu einem persönlichen Entschluss: Hier wird ein einziges – nämlich jenes in der Sächsischen Zeitung veröffentlichte – Bild gezeigt. Alles andere wäre in meinen Augen eine weitere üble Erniedrigung der Opfer, derer an diesem Mahnmal eigentlich Gedenken zukommen soll.
An dieser Stelle wird eine Erklärung des MdL und unseres Mitglieds Frank Richter geben. Im Anschluss daran wird der in der Sächsischen Zeitung veröffentlichte Artikel abgebildet.

Vorher möchte ich, stellvertretend für alle Gleichgesinnten, einen Dank an all jene aussprechen, welche die Spuren dieser Schande beseitigten und den Gedenkfrieden wieder herstellten. Auch so agieren Helden des Alltags!

Erklärung

Ich finde die heute bekannt gewordenen Schmierereien auf dem Ehrenmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Meißen beschämend. Alle Meißner, mit denen ich heute sprechen konnte und die wie ich ihre Stadt als einen an Kultur und Humanität reich beschenkten Ort schätzen, sind entsetzt. Ich verurteile diese Schmiererei als feige und primitiv. Wer meint, die Würde der symbolisch dargestellten Opfer im Nachhinein verletzen oder schmähen zu können, irrt.   In Wirklichkeit offenbart er seine eigene Würdelosigkeit und menschliche Verwahrlosung.  Dass auch der mit einem Davidstern dargestellte und folglich als jüdischer Häftling kenntlich gemachte Häftling beschmiert wurde, lässt die Vermutung zu, dass die Tat auch Ausdruck von Antisemitismus und Verachtung jüdischer Mitmenschen ist.
Ich hoffe, dass die Strafverfolgung zu einem schnellen Ergebnis führt und sich nicht auf ein Bagatelldelikt orientiert. Im Falle einer gemeinschädlichen Sachbeschädigung nach Paragraf 304 des Strafgesetzbuches, gegebenenfalls in Verbindung mit Paragraf  189, der die Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener unter Strafe stellt, sind in bestimmten Fällen und bei moralisch verabscheuungswürdigen Motiven Freiheitsstrafen im mehrjährigen Bereich denkbar. 
Der zeitliche Zusammenhang der Schmiererei am Ehrenmal mit dem im Internationalen Garten vorgefundene Galgenstrick, von dem ebenfalls heute berichtet wurde, macht deutlich, dass wir in Meißen ein Problem mit Menschenverachtung, Hass und Hetze haben. Wohin geistige Brandstiftung führen kann, wissen wir spätestens seit den Morden des Nationalsozialistischen Untergrunds und der Tötung des Regierungspräsidenten Walter Lübcke. 
Ich rufe alle Meißner Bürgerinnen und Bürger dazu auf, dem Verein „Buntes Meißen“, der den Internationalen Garten betreibt, Solidarität und Unterstützung zu gewähren.
Auch lade ich dazu ein, sich morgen, am Freitag, d. 19.6.2020, um 10 Uhr am Ehrenmal im Meißener Käthe-Kollwitz-Park zu einer Gedenkminute zu versammeln und Blumen nieder zu legen. 

gez. Frank Richter, 18.Juni 2020

2020-06-18_SäZonl_Mahnmal-für-Nazi-Opfer-beschmiert

>>Die „Wiege Sachsens“ ohne Visionäre?<<

In der Sächsischen Zeitung der Regionalausgabe Region Radebeul und Meißen vom Samstag, den 30.05.2020, wurde auf Seite 18 der Leserbrief unseres Mitglieds und ehem. Vorstandsvorsitzenden Frank Buchholz abgedruckt:

Es gab Zeiten in denen visionär für Meißen gedacht wurde. Der Landschaftspark Siebeneichen um das gleichnamige Schloss, Anfang des 19. Jahrhunderts auf 35 ha Fläche nach englischen Vorbildern errichtet, zählt sicher dazu. Auch die mutige Entscheidung zu Beginn des 20. Jahrhundert, dem Dom die lang verwehrten zwei filigranen Westtürme aufzusetzen, kann als solche betrachtet werden.
Nun, wo die Wiege Sachsens Ende dieses Jahrzehnts sein 1.100 Stadtjubiläum feiern wird, regiert der Kleinmut?
Gemäß der vorliegenden Standortanalyse für eine mögliche Landesgartenschau bedarf es geeigneter Flächen mit einer Mindestgröße von 15 ha. Im benachbarten Sachsen-Anhalt reichen 10ha aus. Bestehenden Parks wie bspw. der Käthe-Kollwitz- oder der Stadtpark, denen eine Revitalisierung im Zuge einer Landesgartenschau gut zu Gesicht stünde, wurden als Untersuchungsgebiete gar nicht erst betrachtet.
In meiner Heimatstadt Burg bei Magdeburg wurden bei der Landesgartenschau 2018 zwei Parks und ein alter Weinberg anspruchsvoll neugestaltet, d.h. ein dezentral über die Stadt verteiltes Konzept realisiert. Warum war dort möglich, was für Meißen ausgeschlossen wird?
Die Buga im Havelland 2015 wurde interkommunal ausgerichtet. Auch die Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen wäre – sollten zu hohe Kosten für eine einzelne Kommune erwartet werden – demzufolge eine Prüfung wert.
Grüne verbindende Infrastrukturen mit dem blauen Band der Triebisch inmitten von Weingärten, die bis in die Altstadt reichen, hätten wohltuende Effekte für die Lebensqualität und das Stadtklima. Aspekte, die den Bewohnern, Gastronomen, Hoteliers und Gästen Meißens gleichermaßen gefallen dürften.
Die S-Bahn führt mitten ins Gebiet, sodass mit klugen P+R-Lösungen auch der vermeintlichen Parkraumnot vor Ort Rechnung getragen werden kann.
In dieser so schönen Stadt Meißen wünsche ich mir mit Blick auf 2029 mehr Mut und Visionen und weniger Bedenkenträger.

gez. Frank Buchholz 

Stellungnahme zum Personalabbau der Manufaktur MEISSEN

14.11.2019

Die Stadt Meißen äußert sich zum geplanten Stellenabbau der Porzellanmanufaktur Meissen wie folgt:

Die Stadt Meißen hat mit Bedauern zur Kenntnis genommen, dass die Manufaktur MEISSEN im Zuge von Strukturanpassungen 201 Arbeitsplätze zur Disposition stellt. Momentan ist noch nicht geklärt, wie stark der Standort Meißen davon betroffen ist. Für die Stadt Meißen wäre der Verlust von ca. 200 Arbeitsplätzen ein herber Schlag. Nachdem die Entscheidung erst gestern gefallen ist, geht Oberbürgermeister Olaf Raschke davon aus, dass die Geschäftsführung bald mit nähere Aussagen an die Öffentlichkeit treten wird, welche Geschäftsfelder und Berufsgruppen konkret betroffen sind und wie sich diese Umstrukturierung auf den Standort Meißen auswirken wird.

Der Stadt Meißen ist bekannt, dass das Unternehmen Kontakt zur Arbeitsagentur aufgenommen hat, um den gekündigten Mitarbeitern beim Übergang in neue Beschäftigungen behilflich zu sein. Darüber hinaus steht die Stadt grundsätzlich für Gespräche bereit, in denen die sie als Vermittler auftreten könnte. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Meißen verfügt über gute Kontakte zu anderen Keramikfirmen in der Region.“

https://www.stadt-meissen.de/12808.html