Kahlschlag in Bohnitzsch

In einem offenem Brief kritisieren Anwohner aus Bohnitzsch die sinnlose Zerstörung eines Feuchtbiotops im Rahmen der Bauvorbereitung für das Projekt „Bohnitzscher Höfe“. Des Weiteren stößt auf Unverständnis, dass das Umweltamt nachträglich dieser Umweltzerstörung noch eine Genehmigung ausgestellt hat. Der naive Bürger geht davon aus, dass das Umweltamt für den Schutz von Naturräumen zuständig ist. Offensichtlich ist das Gegenteil der Fall, die Profitinteressen Einzelner gehen immer vor.

Offener Brief „Feuchtbiotop adé – Mondlandschaft olé – Bohnitzscher Bürger besorgt“ vom 11.04.2022:

„Sehr geehrter Herr Landrat Hänsel,

anbei eine Stellungnahme von Herr Pfeiffer vom Umweltamt zum Projekt „Bohnitzscher Höfe“. Bezugnehmend darauf stellt sich uns die Frage, wieso das Umweltamt anstatt die Natur und Umwelt in unserer schönen Heimat zu schützen, Investoren, die bloß auf das schnelle Geld aus sind, auch noch unterstützt und Ausnahmegenehmigungen erteilt, um Biotope zu vernichten?

Das Feuchtbiotop auf dem Flurstück 132/1 in Bohnitzsch hatte mehr als 25 Jahre Bestand. Nach unserer Ansicht hätte es aufgrund seiner exponierten Lage, in unmittelbarer Nähe zum Abflussgraben zur Nassau und am Rande des Bebauungsplanes, einen guten Übergang in die Nassau bilden können. Die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung zur Beseitigung des Biotops durch das Umweltamt1 ist für uns daher völlig unverständlich, da dieses Amt eigentlich sich dafür einsetzen sollte, unsere Natur zu erhalten. Weiterhin ist die praktizierte Vorgehensweise in solch einem Fall2 in unseren Augen nicht mehr zeitgemäß und nicht tragbar.

zu 1.)
Wir weisen entschieden die Behauptungen von Herr Pfeiffer zurück, dass

  1. der Investor das Biotop erhalten wollte und
  2. „der dauerhafte Erhalt dieses Biotops bei Umsetzung des B-Planes nach Lage der Dingeaufgrund der umliegenden Wohnbebauung nicht realistisch ist.“

Der Investor hatte die Auflage von der Stadt erhalten, das Biotop zu erhalten. Im Gegensatz zum Lippenbekenntnis von Seiten des Investors dies auch erhalten zu wollen, zeigen die Taten das Gegenteil. Mit Beginn der Rodungen (15.11.21) hat der Investor das Biotop nicht entsprechend abgegrenzt/geschützt, somit keinen ausreichenden Abstand zum Biotop während der Baumaßnahmen gehalten. Selbst die Ränder des Biotops wurden beräumt und auch die ökologische Verbindung zum Ablaufgraben in die Nassau „bereinigt“. Da stand die Entscheidung vom Umweltamt noch gar nicht fest. Hier wurden Tatsachen geschaffen ohne Genehmigung. In Zeiten des Klimawandels und immer knapper werdender natürlicher Ressourcen sollte hier ein Umdenken stattfinden und ihre Behörde hat die Interessen des Umweltschutzes durchzusetzen. Das hätte natürlich einen finanziellen Verlust für den Investor nach sich gezogen. Ein wenig befremdlich ist das Verhalten ihrer Behörde diesbezüglich schon. Ein fader Beigeschmack bleibt auch wenn Herr Pfeiffer vielleicht „entsprechend der geltenden Vorschriften gehandelt“ hat. Laut Gesetzeslage hätte man auch anders agieren können/müssen.

zu 2.)

Die gängige Praxis, dass man Bäume fällt und Biotope vernichtet und danach darüber nachdenkt, wo denn die Ausgleichsflächen geschaffen werden, ist aus unserer Sicht nicht mehr zeitgemäß und gehört schleunigst geändert. Um den Umweltschutzgedanken zu erfüllen macht es sich erforderlich, erst die Ausgleichsflächen festzulegen, die Investoren dazu zu zwingen, erst die neuen Bäume anzupflanzen oder, im Falle des Feuchtbiotops, erst ein neues Biotop anzulegen. Die schützenswerten Tiere und Pflanzen umzusiedeln und dann erst die Ausnahmegenehmigung für den Rückbau eines Biotops zu erteilen. Dies durchzusetzen wäre Aufgabe eines Umweltamtes.

Wir Anwohner müssen mit dem leben, was Investoren hier anrichten. Die leben nicht hier, die bereichern nicht das Dorfleben, die helfen nicht den ansässigen Firmen, die leben nicht in Straßenlärm und Staub, denen wird nicht die Aussicht zugebaut – uns schon.

Auf das konkrete Projekt „Bohnitzscher Höfe“ bezogen fordern wir:

• das bevor irgendeine Baumaßnahme beginnt, der Ort für die Anpflanzung der Bäume und das neue Feuchtbiotop geklärt ist

• die gängige Praxis ein Baum fällen drei wieder pflanzen auch auf das Feuchtbiotop angewandt wird (1350m2 vernichtet = 4000m2 anlegen)

• sowie dass der Investor erst den ökologischen Ausgleich schafft, sprich die Bäume pflanzt und das Feuchtbiotop anlegt, bevor weitere Erschließungs- und Baumaßnahmen stattfinden.

Sollten Sie bei der bisher gängigen Praxis bleiben, prophezeien wir schon jetzt, dass kein neues Feuchtbiotop und keine Bäume zum Ausgleich vom Investor geschaffen werden und der Umwelt- und Naturschutz letztendlich mit leeren Händen dasteht.

Außerdem ist uns vollkommen unklar, warum das Umweltamt eine Ausgleichsfläche in der Nassau, einem schon existierenden natürlichen Lebensraum, vorschlägt. Auch da könnte man sicher in Bohnitzsch sinnvollere Stellen finden, als in ein Landschaftsschutzgebiet (Nassau) einzugreifen.

Um es nochmal auf den Punkt zu bringen: Wir sind nicht generell gegen eine Bebauung des Grundstückes, sondern für eine ökologisch sinnvolle Bebauung, die gleichzeitig den Umweltgedanken erfüllt sowie den Anwohnern auch weiterhin die Luft zum Atmen lässt.

Zu guter Letzt sind wir über den momentanen Stand auf dem betreffenden Grundstück verwundert. Nachdem ohne jegliche Vorinformation der angrenzenden Grundstückseigentümer innerhalb von 4 Tagen das gesamte Gelände rigoros platt gemacht wurde, steht dieses nunmehr seit Wochen ohne jegliche Absperrung ungesichert für jeden zugänglich offen. Dies ist aus unserer Sicht eine unverantwortliche Gefährdung von Personen, vor allem von Kindern, die das Objekt als „Abenteuerspielplatz“ nutzen könnten.

Wir erwarten von Ihnen und Ihren Mitarbeitern, dass Sie sich für die Belange des Umweltschutzes und der Sicherheit in unserer Stadt einsetzen und sich für die ansässige Bevölkerung stark machen.

Unterzeichner:

Familie Uhlmann, Familie Werner, Familie Mäller, Familie Schmittat, Familie Jahn, Familie Krug …“

2 Comments on “Kahlschlag in Bohnitzsch”

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    in einem Stadtteil im Osten der Stadt Dresden wurden Baugrundstücke erschlossen, eine Stichstraße gebaut und Ein-/ und Zweifamilienhäuser errichtet. Ein paar Jahre später sollte das Baugebiet erweitert werden, die Anwohner wehrten sich vehement dagegen, sie wollten keine neuen Nachbarn haben.

    Gleiche Beweggründe sind es wohl bei den Bewohnern neben dem geplanten Wohngebiet Bohnitzscher Höfe. Die wilde Müllkippe hat über Jahre hinweg nicht gestört, ich muss einschränken, dass zumindest mir nichts bekannt ist, dass die Anwohnerschaft eine Initiative zur Beseitigung des Mülls gestartet hätte. Ein Feuchtbiotop wird vorgeschoben.

    Der Egoismus mancher Menschen scheint grenzenlos zu sein, auch auf vielen anderen Gebieten.

    Natürlich ist eine übergroße Mehrzahl der Leute für Tierwohl. Auf meine Frage an die Leiterin eines Supermarktes in Meißen, warum es so wenig Wurst und Fleisch in der Kategorie 4 gibt, war deren Antwort, weil es nur wenig gekauft wird.

    Im Rahmen einer Umfrage zum Thema Nachhaltigkeit waren über 80 % in Sachsen dafür. Auf die Nachfrage, ob sie zu deren Umsetzung einen eigenen Beitrag leisten wollen, oder bspw. eine entsprechende Steuer zahlen würden, antworteten über 80% der 80% Befürworter, auf keinen Fall.

    Erneuerbare Energien werden ebenfalls von einer großen Mehrheit befürwortet. Wenn die technischen Anlagen dafür anrücken, werden sie gnadenlos bekämpft, wie wir gerade in Klipphausen erleben.

    Politik, insbesondere Kommunalpolitik muss aufpassen, sich nicht für Partikularinteressen Einzelner einzusetzen. Es gilt, die gesamtgesellschaftliche Verantortung wahrzunehmen, auch wenn das einigen nicht passt.

    Viel Erfolg für Ihre engagierte Arbeit.

    Viele Grüße.

    Christian Micksch
    Meißen

    1. Sehr geehrter Herr Micksch,

      da Sie so für Nachhaltigkeit sind, frage ich Sie, weshalb man unbedingt jede Grünfläche mit neuen, qualitätslosen Einfamilienhäusern zustellen muss? Das ist meiner Meinung nach egoistisch und eben nicht nachhaltig. Die Zuzügler, für die man hier baut, haben selten Interesse für die Stadt etwas zu geben. Sie wohnen hier, aber arbeiten außerhalb. Fazit ist wieder mehr Verkehr auf den Straßen. Gesamtgesellschaftlich gesehen ist es an der Zeit, dass wir wieder mehr mit der Natur leben und ihr auch endlich wieder mehr Raum geben! Gesundheit ist außerdem das höchste Gut für Alle. Aber wenn ich mich so umschaue, kommen oft schon Kinder mit schweren Erkrankungen auf die Welt und welcher Erwachsene ist denn heut noch topfit? Was wir alle dringend brauchen sind gute, regionale Lebensmittel! Da können die Konzerne und Discounter auf „BIO“ machen wie sie möchten. Die verkaufen nichts gesundes. Erneuerbare Energien: Wie wäre es, wenn wir alle endlich mal weniger verbrauchen? Wie umweltunfreundlich bauen mit Beton und Holz ist, ist den meisten anscheinend egal. Außerdem haben wir genug Leerstand der vergammelt und man erzählt den Bürgern seit Jahren die Lüge vom Wohnraummangel. Die zweite Lüge heißt: „Ausgleichspflanzungen“ oder „Baumpatenschaften“ als Alibi. Der egoistische Mensch von heute will immer mehr, immer mehr, während sich ein Vielzahl an Erdenbürgern kaum noch etwas zum Überleben leisten kann. Unterstützen Sie so etwas auch? Auf welcher Basis lief Ihre Umfrage zum Thema Nachhaltigkeit? Umfragen sind schnell beantwortet, so bewegt man Menschen aber nicht zum Umdenken. Es muss wahrscheinlich bei einigen erst richtig weh tun. Vergleicht man Einwohnerzahlenentwicklungen und die Anzahl der Wohnfläche der letzten 50 Jahre, sind doch recht viele Menschen sehr anspruchsvoll geworden.

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