Meißens Grünstreifen bekommen eine Pflegestufe (SZ: 16./17.05.2026)
Seit Mittwoch können naturliebende Bürger Patenschaften übernehmen. Wie man Pate wird – und welche Aufgaben man hat.
Von Tabea Zimmermann
und Paul Hoffmann
Meißen. Wohl jeder kennt das Problem. Statt saftigem Grün, gepflegter Büscheund Pflanzen und perfekt getrimmter Wiesen sind am Straßenrand immer wieder verwilderte Grünstreifen zu sehen. Oft sind diese mit all dem Müll versehen, derPassanten tagtäglich aus ihren Autos oder Taschen „fällt“. Ein kläglichesBild, gegen das die Stadt Meißen etwas tun will. Am Mittwoch begann auf der Dresdner Straße ein Pilotprojekt, das Stadtgrün und Straßenzüge künftig zum Glänzen bringen soll.
Menschen wie Enrico Scheel, der am Mittwoch die erste Patenschaft übernahm. „Mir geht eshauptsächlich darum, dass mein Wohnumfeld sauber ist. Und mir macht es Spaß“, erklärt Scheel, der im Hauptberuf in der ambulanten Altenpflege in Coswig unterwegs ist. „Coswig ist ja eine sehr gepflegte Stadt, was Grünflächen angeht. Wenn man dann aber nach Meißen in die Kreis- und Touristenstadt zurückkommt, fragt man sich, warum es hier nicht genauso aussehen kann. Das hat mich gestört, und natürlich kann ich nicht ganz Meißen saubermachen, aber meine Wohnumgebung sehr wohl.“
Damit bei der Pflege der Grünfläche auch alles seinen rechten Gang geht, gab es für Scheel nicht nur eine Patenschaftsurkunde von Oberbürgermeister MarkusRenner, sondern auch einen Patenschaftsvertrag von der Stadt. Der regelt unter anderem, dass Bepflanzungen nur in vorheriger Absprache mit der Kommune umgesetzt werden können. Aber auch, dass der Pate Aufgaben wie die Bewässerung, das Mähen, die Entfernung von Unrat, Schmutz oder (Hunde-)Kot zu übernehmen hat. Zudem muss er etwaige Schäden oder Gefahren an die Stadt melden.

Stadtrat Jürgen Hampf, Pate Enrico Scheel und OB Markus Renner (v.l.) bei der Übergabe der Urkunde zur ersten Pflegepatenschaft – Foto: Stadt Meissen
So steht dort unter anderem geschrieben: „Bei der Bepflanzung der Patenschaftsfläche sind einheimische und standortgerechte Pflanzenarten zu bevorzugen. Hierbei ist insbesondere bei der Bepflanzung von Verkehrsinseln oder Grünflächen an Straßeneinmündungen auf die Wuchshöhe der Pflanzen zu achten, damit die Sicht von Verkehrsteilnehmern nicht eingeschränkt wird und die Verkehrssicherheit gewährleistet bleibt.“
Doch so kompliziert, wie es klingen mag, ist es dann doch nicht. So wird die Stadt eng an der Seite der Paten stehen. Schließlich ist es nicht nur für die Hobbygärtner ein Gewinn, wenn ihr Wohnumfeld schöner wird, sondern auch für die Stadt, die bei der Pflege dieser unzähligen Mikrogrünflächen schlicht an ihre Leistungsgrenzen stößt. Das betonte auch OB M arkus Renner. „Ich freue mich, dass es in Meißen nun diese tolle Möglichkeit gibt, sich unkompliziert für ein gepflegtes Stadtbild einzusetzen.“
Neben Renner freute sich auch Stadtrat Jürgen Hampf von den „Bürgern für Meißen“ darüber, dass das Pilotprojekt endlich gestartet ist. Schon vor Jahren hatten er und seine Kollegen es in den Rat eingebracht und seitdem immer wieder auf eine Umsetzung gepocht. Dabei wurden auch Leipzig und Freiburg als positive Beispiele ins Feld geführt, wo es ähnliche Projekte schon gibt.
Interessierte können sich „ihre“ Grünfläche entlang der Dresdner Straße aussuchen und Kontakt zur Liegenschaftsverwaltung aufnehmen. Alle geeigneten und zur Verfügun g stehenden Standorte sind auf der Website der Stadt Meißen aufgeführt. Im Anschluss werden Umfang und Möglichkeiten der Pflege gemeinsam abgestimmt und ein Pflegschaftsvertrag abgeschlossen. Anfragen an die Liegenschaftsverwaltung der Stadt Meißen können telefonisch unter 03521 467166 oder per E-Mail an liegenschaften@stadt-meissen.de gestellt werden.
Quelle: Text und Bild: Sächsische Zeitung vom 16./17. Mai 2026
Wir danken André Schramm für die freundliche Unterstützung.

